Impressumspflicht

Auf dieser Seite gibt es kein Impressum.

Das ist kein Versehen. Das ist Absicht.

Die Pflicht:

In Deutschland muss jede Webseite, die nicht rein privat ist, ein Impressum haben. Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail. Alles öffentlich. Für jeden einsehbar. Für immer.

Rein privat. Was soll das sein?

Ein Blog, den niemand liest? Privat. Ein Blog, den jemand liest? Nicht mehr privat. Eine Seite ohne Werbung? Vielleicht privat. Eine Seite mit einem einzigen Affiliate-Link? Geschäftlich. Eine Seite, die nur für Freunde gedacht ist? Privat. Dieselbe Seite, aber ein Fremder findet sie? Unklar.

Die Unterscheidung ist absurd. Das Internet kennt kein privat. Jede Seite, die online ist, ist öffentlich. Das ist der Punkt. Das ist, was online bedeutet. Die Frage, ob etwas privat ist, beantwortet sich in dem Moment, in dem es erreichbar wird.

Aber das Gesetz braucht Kategorien. Also erfindet es welche, die nicht existieren. Und überlässt es den Gerichten, im Nachhinein zu entscheiden, was du im Vorhinein hättest wissen sollen.

Die Begründung klingt vernünftig: Verbraucherschutz. Transparenz. Man soll wissen, mit wem man es zu tun hat. Man soll rechtliche Ansprüche stellen können.

In der Praxis heißt das: Jeder, der eine Website betreibt, stellt seine Privatadresse ins Internet. Für Stalker, für Abmahnanwälte, für jeden, der einen Grund findet, einem das Leben schwer zu machen.

Das soll mich schützen? Das schützt mich vor nichts. Es legt mich bloß.

Die Illusion:

Das Impressumsgesetz basiert auf einer Annahme, die nicht stimmt: dass das Internet kontrollierbar sei. Dass deutsche Gesetze gelten, weil wir es so wollen. Dass ein Server in Frankfurt und ein Server in Tokio denselben Regeln unterliegen.

Tun sie nicht. Können sie nicht. Werden sie nie.

Das Internet ist kein deutscher Vorgarten. Es ist ein Protokoll. Pakete fließen von hier nach dort, durch Länder, deren Namen wir nicht kennen, über Leitungen, die niemandem gehören. Die Vorstellung, man könne das mit Paragraphen zähmen, ist von rührender Naivität.

Und doch versuchen wir es. Immer wieder. Mit immer mehr Gesetzen, die immer weniger bewirken.

Die Überwachung:

Das Impressum ist nur ein Symptom. Das eigentliche Problem ist tiefer.

Wir leben in einer Zeit, in der der Mensch zum Datensatz geworden ist. Jeder Klick, jede Suchanfrage, jede Webseite, die wir besuchen, wird erfasst, gespeichert, ausgewertet. Nicht von Kriminellen. Von Staaten. Von Unternehmen. Von allen, die ein Interesse haben.

Das Impressum ist die Einladung zur Erfassung mit Absenderadresse. Es sagt: Hier bin ich. Hier wohne ich. Hier kannst du mich finden.

Wer Tracking kritisiert und Impressumspflicht fordert, hat nicht verstanden, worum es geht. Es geht nicht um Transparenz. Es geht um Kontrolle. Um die Frage, wer über wen Bescheid weiß.

Der Staat will wissen, wer spricht. Die Konzerne wissen es längst. Der Bürger soll gläsern sein, während die, die ihn beobachten, im Dunkeln bleiben.

Das ist keine Transparenz. Das ist Asymmetrie. Das ist Macht.

Die Entscheidung:

Also kein Impressum.

Nicht weil ich etwas zu verbergen hätte. Nicht weil ich anonym sein will. Weil ich nicht bereit bin, die Spielregeln zu akzeptieren.

Diese Seite hat kein Tracking. Keine Cookies. Kein JavaScript. Sie sammelt nichts, sie speichert nichts, sie will nichts wissen über die Menschen, die sie lesen.

Im Gegenzug erwarte ich dasselbe. Wer meine Worte lesen will, kann meine Worte lesen. Wer meine Adresse braucht, braucht sie nicht.

Das Gesetz sagt, ich muss. Das Internet sagt, ich muss nicht. Ich habe mich für das Internet entschieden.

Die Konsequenz:

Vielleicht kommt irgendwann Post. Eine Abmahnung. Eine Strafe. Irgendjemand, der seine Existenz damit rechtfertigt, Regeln durchzusetzen, die niemand braucht.

Dann zahle ich. Oder ich nehme die Seite vom Netz. Oder ich tue nichts und schaue, was passiert.

Was ich nicht tun werde: meine Adresse ins Internet stellen, damit jeder Fremde weiß, wo ich schlafe.

Das ist der Deal, den ich nicht eingehe.

Das Internet war einmal der Ort, an dem Ideen zählten, nicht Identitäten. An dem jeder sprechen konnte, ohne sich auszuweisen. An dem das Wort mehr wog als der Name.

Das war eine gute Idee. Vielleicht die beste, die wir hatten.

Ich weigere mich, sie aufzugeben.